Reviews | By Rigobert Dittmann / Bad Alchemy Magazin (122)
series invisible | Christoph Korn & Lasse-Marc Riek
“series invisible” (Gruen 215) ist eine 2004 begonnene Kollaboration von CHRISTOPH KORN (Imperial Hoot, Arbeit, Blank) und LASSE-MARC RIEK (der 2003 Gruenrekorder mitbegründet hatte). Dabei sammelten sie zig Field Recordings, die sie aber in einer wei­teren Drehung wieder löschten, um das nur als Notate zu protokollieren – Beispiel: 2 Ort Bahnhof Aufnahme 18.10.2006, 13:05 Uhr, Bad Kleinen Gelöscht am 21.10.2006, 20:04 Uhr Dauer der Aufnahme 4’40“. Als vollständiges Box-Set füllt das 10 CDs und ein Buch. Hier versammelt auf einer CD plus Booklet ist eine Auswahl von 22 solcher Notate, ab­wechselnd gelesen von einer Männer- und einer Frauenstimme: []

 

Lopa | Enrico Coniglio
Der Venezianer ENRICO CONIGLIO fährt mit Lopa (Gruen 217, digital) erneut in die Lagu­nen seiner Heimatstadt – wie schon mit „Teredo Navalis“ (BA 106). Um einzutauchen in die dortige Klangwelt, wie er sie an Winterabenden, wenn der touristiche und überhaupt menschliche Lärmpegel endlich abgeschwollen ist, einfangen konnte. Der Lockdown 2020 schuf sogar die unverhoffte Situation, dass in Venedig etwas von Mark Fishers Eeriness zu spüren war. Wobei mit dem Dämpfen der urbanen Low-Fidelity die Präsenz anderer Sounds wie unters Vergrößerungsglas gerät. Wenn auch immer nur als pars pro toto. Vorbei an den dennoch dröhnenden Docks der Marittima, am Stadtviertel Santa Marta, der Tronchetto-Insel als Lärmkulissen, die sich abklären für das Rauschen von Wind und Was­ser, dessen zeitvergessenes Glucksen und Lappen, das flüsternde Rascheln des Schilfs, knarrenden Draht. []

 

Perifaerye | Jorn Ebner
Auch JORN EBNER war mal in Venedig („Venetian 3“, 7“, 2010). Mit Perifaerye (Gruen 219, LP w/24 p booklet + poster) als urbaner Plunderphonie in 18 Facetten führt der 1966 in Bremerhaven geborene Klang-Bild-Text-Künstler nach Hamburg-Eidelstedt. Stichworte wie ‚Specht‘, ‚Skulptur‘, ‚Glaswände‘, ‚An der Mühlenau‘, ‚Zement‘, ‚Pflugacker, ‚Platten­laden‘, ‚Feldmark‘ verraten die Mixtur aus Wohnblocks, Einfamilienhäusern, dörflichen Resten und sogar Weideland jenseits der A23. Mit Klopfen und Klappern, Stimmengewirr, Spatzenpieps, Amselflöt, Krähenkrah, repetitiven Sequenzen, Lärm in Loops und verhack­stückt, dem Sound der Mühlenau, von Regentropfen, Zuglärm, Fußball, Pferdehufen, die Sekunden klacken. Viele der gerne etwas rhythmisierten Geräusche bleiben an den ver­schliffenen Rändern der Lautwelt unkenntlich. []